NICHTS

Nichts und dessen Beziehung zum Sein

Im Jahr 2026 erfuhr das von Paul Raas initiierte Kunstprojekt „NICHTS“ eine viel beachtete Neuauflage. Paul Raas lud 38 Künstlerinnen und Künstler dazu ein, sich mit dem Nichts und dessen Beziehung zum Sein auseinanderzusetzen.

Es entstand eine umfangreiche Ausstellung, begleitet von einem Symposium, Konzerten und einem Literaturfest: 
Zur Ausstellungsinformation „NICHTS“

Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Werke von Paul Raas, die im Rahmen der Ausstellung „NICHTS“ gezeigt wurden.

Formen des Nichts

Die Arbeiten von Paul Raas greifen die Idee des japanischen Ensō auf – eines in einer einzigen Bewegung gemalten Kreises, der im Zen für Leere, Erleuchtung und den Ausdruck eines gegenwärtigen Moments steht.

Raas übersetzt dieses Prinzip in eine eigene Technik und zeitgenössische Bildsprache. Seine Werke verstehen Leere nicht als Abwesenheit, sondern als offenen, dynamischen Zustand. Die visuelle Nähe zur mathematischen Null schlägt zugleich eine Brücke zur europäischen Denktradition. So entsteht keine Aneignung, sondern eine Weiterführung einer meditativen Praxis im Kontext heutiger Kunst.

Acryl auf Holzplatte, je 50 x 50 cm, 2026
Auf der Rückseite datiert und signiert

Heidegger-Uhr

Die Heidegger-Uhr verwandelt ein präzises Messinstrument in ein philosophisches Bild.

Der Sekundenzeiger zeigt den Ablauf, doch alle Stunden verweisen auf die Null – jede Messung scheint ins Leere zu führen. Die lateinische Inschrift („Ohne Sein kein Dasein, ohne Dasein keine Zeit“) verdichtet zentrale Gedanken
Martin Heideggers: Zeit ist keine bloß objektive Größe, sondern wird erst im Dasein verständlich. So entsteht ein Paradox: Die Uhr misst unaufhörlich – und verweist zugleich auf die Grenzen einer Zeit, die sich nicht vollständig zählen lässt.

Gravur/Bütte/Holzplatte/Uhrwerk
1/10, Ø 48 cm, 2026
Auf der Rückseite datiert und signiert

Seiltanz über dem Nichts

Die Figur balanciert scheinbar mühelos über
einem Abgrund – ein Bild für die existenzielle Erfahrung zwischen Halt und Leere, zwischen
Sein und Nichts.
Der „Seiltanz“ wird dabei zur Metapher: Trotz Unsicherheit entsteht Bewegung, sogar Leichtigkeit. Unterhalb öffnet sich kein reines Nichts, sondern ein abstrakter Bildraum, der zwischen Bedeutung und Bedeutungsfreiheit oszilliert. Was für die einen leer erscheint, wird für andere zum Ort intensiver Deutung. So zeigt das Werk: Das Nichts ist kein fester Zustand, sondern ein Raum, der erst im Blick der Betrachtenden Form annimmt.

Acryl auf Holzplatte, 120 x 60 cm, 2026
Auf der Rückseite datiert und signiert

Das Nichts bringt die verdammte Stille zum Schweigen

Das Werk inszeniert das Nichts nicht als Abwesenheit, sondern als wirksame Kraft. Die übersteigert wirkende Aussage entfaltet sich als mehrschichtiges Spiel zwischen Sprache und Bedeutung. Was zunächst wie ein aggressiver Ausruf erscheint, verweist auf eine alte philosophische Frage: Ist das Nichts tatsächlich leer, oder trägt es bereits alles in sich? In der Wucht der Typografie wird das Nichts zum Gegenüber des Seins – und vielleicht sogar zu dessen eigentlichem Ursprung. Das Nichts schweigt nicht. Es spricht. Und es erinnert daran, dass alles aus ihm hervorgeht und letztlich wieder in ihm verschwindet.

Monotypien, Blindprägung, Hochdruck auf Bütten, Aufl. je 30, 2026
je Blatt 29,7 × 21 cm, Platte 20,4 x 14,5 cm

Das Nichts der Pfeife

In Anlehnung an René Magrittes „Dies ist keine Pfeife“ verschiebt die Arbeit die bekannte Bild-Text-Spannung ins Ontologische. Die Pfeife erscheint nicht als Darstellung, sondern als Blindprägung – als Spur ohne Körper. Sichtbar wird nicht das Objekt, sondern seine Abwesenheit.

Der darunter gesetzte Satz „Ceci est le néant de la pipe“ benennt diese Leerstelle: nicht Bild und Wort widersprechen sich, sondern das Sein selbst entzieht sich. Die Arbeit verhandelt das Nichts als Form, als Abdruck, als stille Präsenz des Fehlenden.

Blindprägung und Text-Gravur auf Bütte
1/50; 40 x 50 cm, 2026
Auf der Rückseite datiert und signiert

Weitere Arbeiten 2015 – 2023
„Nichts“

Ontologische Zyklen zum Sein, zum Nichts, zu Existenz und Wirklichkeit

Paul Raas sucht die Wirklichkeit im Nichts. Im Weiß zwischen Zeilen, in tiefer, sinnentleerter Meditation, im leeren Raum zwischen den Sternen. Das Sein ist ein Abdruck im Nichts. Die gemalten Linien sind nur eine Ansammlung von Pigmenten, die für einen gewissen Zeitraum das Nichts strukturieren dürfen.

„Ahnungen der Wirklichkeit“
Hochdruck auf grundierter Finnpappe, je 21 x 10 cm, 2015, WVN 789 (Zyklus)

„Das Sein durchbricht das Nichts“
Gesso, Acryl und Tusche auf Finnpappe, 40 x 30 cm, 2015, aus dem ontologischen Zyklus

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