Klangpunkt von Paul Raas

Klangpunkt von Paul Raas

Projekt von Dezember 2004

Viele Menschen nutzen das Internet und die gängigen Suchmaschinen, um an die gewünschten Informationen zu gelangen. Durch die Darstellung der endlos vielen Inhalte im Internet haben die Seitenbetreiber Strategien gefunden, die Massen an Informationen überschaubar zu halten. Es ist auf Suchportalen, aber auch bei größeren Webseiten üblich geworden, Inhalt nur anzureißen und den Benutzer ggf. weiter zu verlinken. Die so generierten „Kurztexte“ basieren auf hochkomplexen Algorithmen, an deren Darstellung permanent weitergeforscht wird. Auch der Benutzer hat sein (Lese-)Verhalten geändert. Texte werden in Windeseile überflogen, Auge und Gehirn sind nur auf die Schlüsselbegriffe fixiert. Mit dem Lesen wie vor 20 Jahren hat dies nicht mehr viel zu tun.

2005-06-17-klangpunkt-grPaul Raas setzt sich mit den Auswirkungen dieser Informationsmassen und deren Ver- und Bearbeitung künstlerisch auseinander. Mit den Klangpunkten hat er ausgesuchte Ergebnisse von Suchseiten durch Vorlesen zu einem literarischen Klangerlebnis gemachen.

Geben Sie im Google zum Beispiel „ich stehe vor einem Objekt“ ein. Sie bekommen eine endlose Liste von „Superkurz-Geschichten“. Sie stehen dann z.B. „der Welt ganz anders gegenüber“ oder „das Objekt sieht ziemlich seltsam aus“. Jeder Begriff aus der Suchanfrage wird in allen möglichen Betrachtungsweisen dargestellt.

Wie so oft in der Kunst, ist es die andere Betrachtungsweise – hier durch das starre Vorlesen dieser Texte – die einen neuen Zugang erschließt. „Vorgelesen“ werden die Texte mit TTS (TextToSpeech) Technologie. Das heißt, dass der Computer aus dem Text hörbares macht. Stimmfall und Intonierung sind synthetisch und unterstreichen die Wirkung. Somit handelt es sich bei dem „Klang“ um ein rein synthetisches Hör-Produkt, hinter dem ein großer Forschungsaufwand und eine noch größere Datenmenge, die zuletzt doch wieder von Menschen geschaffen wurde, steht. Nicht zuletzt hat diese Idee einen großen humoristischen Effekt. Das ist ja immer so, wenn eine Erwartungshaltung gebrochen wird. Wer denkt schon daran, dass Suchmaschinen-Ergebnisse eine so interessante Prosa sein können. Gebrauchstexte werden zum literarischen Erlebnis.

Kurzbeschreibung: Auf dem Klangpunkt gibt es mehrere Knöpfe mit kleinen Informationstafeln darunter. Drückt man zum Beispiel auf: „Ich stehe vor einem Objekt“ Suche bei Google, beginnt eine Stimme die Ergebnisse (ca. 15 Minuten) vorzulesen.

Hörbeispiel:

 

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